Tradition vs. Innovation

Unternehmenskultur als notwendige Voraussetzung erfolgreicher Digitalisierung



Die Digitalisierung verspricht Lösungsansätze für vielfältige unternehmerische Probleme. Ihre Umsetzung – angefangen bei der Integration von Einzellösungen, wie beispielsweise einem digitalen Dokumentenmanagementsystem, bis hin zum Aufbau von vollständig digitalisierten cyber-physischen Produktionssystemen – stellt Unternehmen jedoch nicht selten vor erheblichen Herausforderungen.


Für die erfolgreiche Durchführung von Digitalisierungsprojekten bedarf es eines ganzheitlichen Denkens, wobei die folgende übergeordneten Punkte Beachtung finden sollten:

  • Technik (vor allem Hardware, Software, Umsetzung der IT-Strategie),

  • Prozesse (Geschäftsprozesse einschließlich der zugehörigen Schritte und Aktivitäten),

  • Organisation (bspw. die Ablauf- und Aufbauorganisation sowie die Interaktion von Rollen und Stellen) sowie die

  • Unternehmenskultur (bspw. Verhaltensmuster, Einstellungen oder auch Befürchtungen).¹

Neben den technik- und managementzentrierten Aspekten, zählt letzteres zu den wesentlichsten Hindernissen erfolgreicher Digitalisierungsprojekte.²


Die Unternehmenskultur übt maßgeblichen Einfluss auf die gesamte Verhaltenskoordination in einer Organisation aus und ist somit ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, Veränderungsprozesse und Innovationen erfolgreich umgesetzt. Darüber hinaus ist sie Treiber für die Motivation sowie die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern und wirkt sich positiv auf deren Bindung aus. Hier anzusetzen fördert also nicht nur den ökonomischen Unternehmenserfolg.



Was versteht man unter dem Begriff „Unternehmenskultur“ & wie sieht eine für die Digitalisierung geeignete Unternehmenskultur aus?


Unter dem Begriff Unternehmenskultur wird „...die Gesamtheit aller Normen, Wertvorstellungen und Denkhaltungen, welche als kollektives Orientierungsmuster das Verhalten der Mitarbeitenden und des Unternehmens bestimmen“ verstanden.³


Eine für Digitalisierungsprojekte geeignete Unternehmenskultur steht im Kontrast zu einer sehr traditionellen, durch Hierarchie und Weisung geprägten Variante. Die Digitalisierung funktioniert mit Partnern in Netzwerken. Das Vertrauen zwischen den Mitarbeitern gewinnt gegenüber der Kontrolle an Wert. Weiterhin werden die Transparenz und eine offene Kommunikation großgeschrieben. Geheimhaltung und Verschwiegenheit behindern Prozesse des notwendigen Austauschs.


Entscheidungen werden in Teams mit den Mitarbeitern vorbereitet und getroffen. Dabei sollte die Neugier der Mitarbeiter auf neue Technologien sowie das Hinterfragen bestehender Lösungen gefördert werden. Zusätzlich gilt es, die Perspektive des jeweiligen Kunden zu verstehen und einzunehmen. Die erfolgreiche Einführung von Digitalisierungsmaßnahmen lässt sich nicht ausschließlich von den oberen Organigramm-Ebenen auferlegen. Die Digitalisierung sollte im Team als Chance für das zukünftige Bestehen des Unternehmens, welche es notwendiger Weise zu ergreifen gilt, verstanden werden. Dementsprechend müssen Mitarbeiter auch mehr Verantwortung übernehmen, anstatt sie nach „oben“ abzugeben.


Für komplexe Veränderungen, welche die Einführung digitaler Technologien mit sich bringt, ist ein lösungsorientiertes Mindset in Kombination mit Neugier auf neue Ansätze zur Erreichung der Unternehmensziele notwendig. Probleme finden sich mehr als genug und deren Diskussion sollte gegenüber den Lösungen nicht in den Vordergrund gestellt werden. Dementsprechend sollte man sich im Team eher Fragen stellen, wie „Wie können wir das möglich machen?“ oder „Was brauchen wir dafür?“ als Aussagen, wie „Das geht bei uns nicht.“ Oder „Das muss erst einmal von oben entschieden werden.“ zu tätigen.⁴


Vergleich traditioneller und für Digitalisierungsprojekte geeigneter Unternehmenskultur¹

Zur Weiterentwicklung der Unternehmenskultur gilt es, die Kompetenzen der Mitarbeiter anzupassen. Wichtige Kompetenzen mit hohem Handlungsbedarf sind:

  • Bereitschaft, sich auf Veränderungen aktiv einzulassen,

  • Fähigkeit zum Umgang mit Komplexität sowie mit Unsicherheiten und Risiken umzugehen,

  • die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken,

  • offener Umgang mit kritischen Themen,

  • Wertschätzung in der Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern,

  • Etablieren einer Feedback-Kultur sowie

  • das aktive Zuhören.

Herausforderungen in der Kompetenzvermittlung liegen u.a. in der Stärkung von Eigenverantwortung sowie der Vermittlung digitaler Grundkompetenzen.⁵


Festzuhalten bleibt, dass die Unternehmenskultur in geeigneter Form, d. h. mit einem offenen Umgang der Mitarbeiter untereinander sowie einer lösungsorientierten Grundeinstellung eine gute Voraussetzung für Digitalisierungsprojekte darstellt. Traditionelle bzw. durch Hierarchie und Weisung geprägte Kulturen behindern oder verhindern sogar Digitalisierungsbemühungen.






¹ Scheller, M. (2021): Unternehmenskultur als „Schmiermittel“ der Transformation, in: Bodemann, M./Fellner, W./Just, V. (Hrsg.): Zukunftsfähigkeit durch Innovation, Digitalisierung und Technologien, Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg, S. 173–196.

² Lauruschkus, F./Guttschuß, P./Zschoche, F./Shah, T. (2019): Eine Frage der Unternehmenskultur - Voraussetzungen für die digitale Transformation.

³ Thommen, J.-P./Ergenzinger, R. (2008): Lexikon der Betriebswirtschaft: Managementkompetenz von A bis Z, 4., überarb. und erw. Aufl., Zürich: Versus Verl.

⁴ Dweck, C. (2016): Mindset The new psychology of success.

⁵ Hays/IBE (2017): HR-Report Schwerpunkt Kompetenzen für eine digitale Welt, Hays AG und Institut für Beschäftigung und Employability IBE.