KI – Hype oder Hilfe?

Trendthema Künstliche Intelligenz: Wo stehen wir und was ist dran am Hype?


Künstliche Intelligenz (KI) als neues Trendthema der Digitalisierung soll Prozesse vereinfachen, Arbeitsabläufe automatisieren und uns vollständig von lästigen Arbeiten befreien. Sehr kontrovers diskutiert, lassen andere Stimmen verlauten, dass sie Arbeitsplätze vernichten, undurchschaubare Entscheidungen treffen und schließlich unsere Freiheit beschränken wird. Was davon stimmt? Welche Bedeutung hat sie für Unternehmen und wofür wird KI heute schon eingesetzt?



Stark vs. Schwach - Was kann KI?

Grundsätzlich ist zwischen schwacher und starker KI zu unterscheiden. Schwache KI wird für ein bestimmtes Anwendungsfeld entwickelt und ist heute bereits in vielen Gebieten im alltäglichen Einsatz. Beispiele hierfür sind Navigationssysteme, Bild-, Zeichen- und Spracherkennungssysteme oder aber Korrekturvorschlägen bei Suchanfragen.


Die starke KI hingegen wird mit den intellektuellen Fähigkeiten des Menschen gleichgesetzt und soll logisches Denken, planvolles Handeln unter Unsicherheit sowie eine Kommunikation in natürlicher Sprache einsetzen, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Sie handelt nicht mehr nur reaktiv, sondern auch aus eigenem Antrieb - intelligent und flexibel. Diese Vorstellung der Künstlichen Intelligenz ist häufig Gegenstand von Science-Fiction und entwickelt sich dort oft genug zur Bedrohung für einzelne Individuen oder die gesamte Menschheit. Verständlich also, dass es Vorbehalte und Zurückhaltung bei diesem Thema gibt.


Fakt ist jedoch, dass es bisher keine starke KI gibt, während auf dem Gebiet der schwachen KI in den letzten Jahren erstaunliche Erfolge erzielt werden konnten. Alle derzeit verfügbaren künstlichen Intelligenzen arbeiten basierend auf Algorithmen, welche intelligentes Verhalten durch den Einsatz von Mathematik und Informatik simulieren.



Wie sieht es in deutschen Unternehmen aus?

Zu tatsächlichem Einsatz und Nutzen von KI in Unternehmen gibt es widersprüchliche Ergebnisse. Gemäß einer Studie des Branchenverbandes BITKOM, welche im Juni 2020 veröffentlicht wurde, sieht ein Großteil der Unternehmen den Einsatz von KI eher kritisch. Nur 6% setzen sie ein, 22% planen den Einsatz. Für den Großteil von 71% ist die Einführung von KI kein Thema.

Demgegenüber sehen 73% der befragten Unternehmen Künstliche Intelligenz als wichtigste Zukunftstechnologie. In einer von der Unternehmensberatung Deloitte durchgeführten Studie schätzten sogar 79 % der Unternehmen Künstliche Intelligenz als sehr bedeutend oder erfolgskritisch ein.


Tatsächlich eingesetzt werden KI-Anwendungen aktuell vor allem für „einfache“ Aufgaben. So z.B. im Marketing für das so genanntes Targeting und personalisierte Werbung, bei der automatisierten Buchung von Zahlungen sowie bei der automatisierten Beantwortung von Anfragen oder Reklamationen. Ebenfalls genutzt wird KI im Bereich der Preisoptimierung und der vorausschauenden Wartung.



Woher kommt der Widerspruch zwischen erkannter Bedeutung und zögerlichem Einsatz?

Für den Großteil der Unternehmen fehlt es schlicht an Zeit und Personal, sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz zu beschäftigen und man wartet auf Erfahrungen anderer Unternehmen, um von deren ersten Schritten zu profitieren. Eine wichtige Rolle wird hier den Hochschulen zukommen, welche die Ausbildung von KI-Experten bereits heute durch den Aufbau von Lehrstühlen und interdisziplinären Forschungsgruppen vorantreiben.


So sollen neue KI-Lösungen für verschiedene Anwendungsfelder entwickelt werden. Dabei stehen die Erfassung und Analyse großer Datenmengen zur Entscheidungsfindung im Vordergrund. Dies basiert meist auf maschinellem Lernen, einem Teilgebiet der KI. Dabei lernen Systeme selbständig Zusammenhänge, indem sie mit Trainingsdaten „gefüttert“ werden. Je größer und besser die Trainingsdaten, desto genauer ist das Ergebnis. Anhand von Maschinen- und Umweltdaten kann ein solches System z.B. lernen, bei welchen Abweichungen ein Qualitätsabfall oder sogar ein Maschinenausfall droht und wann welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um gegenzusteuern. Dieser Übergang von präventiver zu vorausschauender Wartung kann Ausfallzeiten reduzieren und Kosten sparen.


Unerkannt von vielen Mitarbeitern werden bereits heute KI-Lösungen, welche auf der Analyse großer Datenmengenbasieren, eingesetzt. Online-Shops analysieren das Kaufverhalten ihrer Kunden, um personalisierte Produktempfehlungen anzubieten; Bilderkennungssysteme machen den Einsatz von Robotern in unstrukturierten Umgebungen möglich, die Buchhaltungssoftware erkennt automatisch Zahlungseingänge und verarbeitet sie. Diese Lösungen haben sich vermutlich vor allem deshalb durchgesetzt, weil sie nicht mit dem Stigma KI versehen waren und stattdessen die Lösung einer konkreten Aufgabe im Vordergrund stand.



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